Tatort: Schauspiel Leipzig - Theater mit Audiodeskription

Ankündigung einer Vorstellung mit AudiodeskriptionBlinde und sehbehinderte Berliner waren in Leipzig, um einen Theaterbesuch genießen zu können, denn in Berlin gibt es bisher keine Aufführungen mit Audiodeskription.

Als Alternative zum allwöchentlichen Tatort im Ersten stand bei acht Mitgliedern des Arbeitskreises Kultur und Freizeit am Sonntag, 9. April 2017, ein Besuch im Theater auf dem Programm: Zu sehen war Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“ im Schauspiel Leipzig, das mit Audiodeskription aufgeführt wurde. Ein Leitstreifen führte zum Eingang des Theaters und von dort weiter zu einem Reliefplan, der darüber informierte, wie man zur Kasse, zur Garderobe, zu den Toiletten und zum Saal gelangt. Ein Aufsteller mit dem Hinweis, dass diese Aufführung mit Audiodeskription angeboten wird, war eine weitere Bestätigung, dass blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher willkommen sind.

Das Schauspiel Leipzig bietet seit 2013 für blinde und sehbehinderte theaterbegeisterte Menschen ausgewählte Produktionen mit live gesprochener Audiodeskription an. Hierbei werden wichtige Informationen zum Bühnenbild, zu Kostümen, zur Mimik und Gestik der Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Hinweise zu einzelnen Handlungsverläufen gegeben, die normalerweise ungesagt und unhörbar bleiben. Die Erläuterungen und Beschreibungen werden dabei während der Vorstellung live gesprochen. Blinde und sehbehinderte Gäste empfangen die Kommentare über Sender mit Kopfhörern, die kostenlos im Theater ausgeliehen werden können. Über die Kopfhörer erhält man bereits vor dem Stück Erläuterungen zum Aufbau und Inhalt des Stücks sowie zur Besetzung der Protagonisten - also die Informationen, die üblicherweise in einem Programmheft stehen. Zusätzlich findet vor jeder Vorstellung eine Einführung in Werk und Inszenierung durch die Dramaturgen statt, bei der Elemente der Bühne, Requisiten und Kostüme zu ertasten sind.

Wir Berliner waren sehr gespannt auf die Audiodeskription, denn das wollen wir auch in der Hauptstadt mit dem vielfältigen Bühnenangebot durchsetzen. Maila Giesder-Pempelforth, die Stimme im Ohr, stellte sich kurz vor und führte uns anschließend durch die wort- und bildgewaltige Inszenierung. Ohne ihre zusätzlichen Erklärungen wäre es für blinde und sehbehinderte Zuschauer kaum möglich gewesen, dem Bühnengeschehen zu folgen. Insgesamt sieben Schauspieler spielten die Hauptrolle des "Peer Gynt", der mit seinen Fantasie- und Lügengeschichten in immer abgründigere Abenteuer rutscht. Eine weitere Herausforderung war, dass weibliche Charaktere von männlichen Darstellern gespielt wurden. So übernahm der 83-jährige Dieter Jaßlauk, durchaus beeindruckend, die Rolle der Mutter Peer Gynts. Für eine gute Unterhaltung der anspruchsvollen und textreichen Aufführung sorgten die live eingespielten Klanglandschaften des Pianisten und Komponisten Kornelius Heidebrecht. Immer wieder holte einen die Stimme im Ohr zurück in die Handlung auf der Bühne und nahm mit der Zeit selber die Rolle einer Schauspielerin ein. So passten sich die Beschreibungen ausgezeichnet in das sehr verzweigte Stück ein.

Neben dem Schauspiel Leipzig bieten u.a. das Staatstheater Braunschweig, das Stadttheater Bielefeld, die Kammerspiele München sowie das Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen Theater- bzw. Opernaufführungen mit Live-Audiodeskription an. Weitere Informationen und Termine unter: www.hoerfilm.info/theater.html

Andreas Krüger/Jan Meuel, AK Kultur und Freizeit

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