ABSV-Info 32/2017 - Pokémon Go nun auch für Blinde und Sehbehinderte

Samstag, 1. April 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem beginnenden Frühling wird man wieder häufiger auf Ansammlungen von Menschen stoßen, die scheinbar unmotiviert in der Gegend herumstehen und auf ihren Smartphones herumwischen. Eingeweihte wissen, da werden gerade Pokémons gefangen. Pokémons sind Fantasiewesen des Computerspiels Pokémon Go, das seit letztem Sommer Millionen Fans auf der ganzen Welt begeistert. Der Clou: Das Spiel kann man nur im Freien spielen, weshalb es von Gesundheitsbefürwortern ausdrücklich gelobt wird.

Auch der ABSV empfiehlt seinen Mitgliedern, Pokémon Go zu spielen, um einen Anreiz zu haben, bis zu 10.000 Schritte am Tag zusätzlich zu laufen. Bislang waren blinde und sehbehinderte Spieler von diesem bewegungsfördernden Spiel ausgeschlossen, denn die App der amerikanischen Herstellerfirma Niantic war nicht barrierefrei.

Dieser skandalöse Zustand gehört nun bald der Vergangenheit an! Der ABSV hat reagiert und an den US-Präsidenten Donald Trump die dringende Bitte getwittert, Niantic zu verpflichten, ein barrierefreies Update zu programmieren oder, im Falle der Weigerung, zwecks Chancengleichheit und selbstverständlich auf Kosten von Niantic, eine virtuelle Mauer um die Pokémons bauen zu lassen.

Unsere Smartphone-Schulungen würden wir natürlich umgehend anpassen und das Modul „Pokémon Go“ implementieren.

Parallel haben wir uns Gedanken gemacht, wie man das Spiel Menschen zugänglich machen kann, die über kein Smartphone verfügen. Dazu haben wir den Fachbereich Produktdesign an der Universität der Künste als Kooperationspartner gewinnen können. Studenten dieses Fachbereichs haben im Rahmen ihrer Bachelorarbeit die unterschiedlichen Figuren des Spiels liebevoll aus geeignetem Material nachgebaut, um sie im öffentlichen Raum aufstellen zu können. Die Aufstellung erfolgt vor allem auf den Leitstreifen auf U-, S- und Fernbahnsteigen sowie in unmittelbarer Nähe blindengerechter Ampeln, damit die Figuren von blinden Menschen auch gefunden werden können. Wir sind in jeden Entwicklungsschritt einbezogen, u. a. um bei der Farbigkeit auf die nötige Kontraststärke für Sehbehinderte nach DIN 32975 zu achten.

Das „Fangen“ der Figuren funktioniert übrigens ganz einfach über eine Simulation von Schussgeräuschen. Dazu muss man nur laut „Peng“, „Klatsch“, „Doing“ oder Ähnliches rufen. Bei einem Treffer erfolgt ein Gegengeräusch, wie man es von den Westernfilmen mit Bud Spencer und Terence Hill noch gut in Erinnerung hat.

Demnächst können die ersten Prototypen von Vereinsmitgliedern getestet werden. Besonders interessant wird dabei sein, wie Blindenführhunde auf die zum Teil ebenfalls schlappohrigen Fantasiefiguren reagieren.

Wer an dem Test der Pokémon-Figuren dabei sein möchte, sollte sich heute anmelden unter der E-Mail: freizeit@absv.de

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