ABSV-Info 133/2021 - Veranstaltungen zum Andenken an blinde jüdische und von den Nazis verfolgte Menschen

Dienstag, 12. Oktober 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

im Rahmen der Woche des Sehens wird heute, am 12. Oktober, 18:00 Uhr im Saal des Vereinshauses „Max und Bella“ aufgeführt – ein Hörstück von Gerhard Moses Heß, Olaf Garbow, Sibyll Plappert und Claudia Maria Franck.  

Das Stück erzählt von dem vergessenen blinden Dichter Max Zodykow, der in einem jüdischen Blindenheim in der Wrangelstraße gewohnt und gearbeitet hat und nur mit Glück der Euthanasie entging.
Nach Auflösung des Heims durch die Nazis im November 1941 lebte er in der Illegalität zusammen mit seiner Frau Bella Bergmann, die aus dem jüdischen Arbeiterwiderstand in Frankfurt kam, bis beide entdeckt, deportiert und im Dezember 1943 in Auschwitz ermordet wurden. 

Die Aufführung wird durch improvisierte instrumentelle Musik sowie durch jiddische und aktuell komponierte Lieder begleitet und unterstrichen. 

Kurzfristige Anmeldungen nehmen wir noch entgegen per E-Mail: freizeit@absv.de
Bitte beachten Sie, dass der Einlass nach der 3-G-Regel erfolgt (geimpft, genesen, negativ getestet)  

Auch die Deutsche Hörfilm gemeinnützige GmbH lädt zu einer thematisch passenden Veranstaltung ein: 

Sonntag, 17. Oktober, 14:00 Uhr
Blind. Untergetaucht. (open air)
Braille-Lesung mit Musik anlässlich des Gedenkens an den Beginn der Deportation jüdischer Menschen aus Berlin vor 80 Jahren am 18. Oktober 1941.
Vor dem Haus Bundesratufer 4, 10555 Berlin-Moabit (Nähe U-Bahnhof U9 Turmstr.) 

„Geliebte Kinder“, beginnt der lange letzte Brief, den das jüdische Ehepaar Frey – er blind, sie sehend – im April 1942 an die beiden emigrierten Töchter schreibt. Erich und Elsbeth, beide Mitte 50, berichten darin über ihren Alltag unter Entrechtung und Verfolgung durch den NS-Staat, über die drohende Deportation.  

Die Eheleute Frey tauchten unter mit Unterstützung von Otto Weidt, selbst sehbehindert, und seiner Blindenwerkstatt. Ihr letztes Versteck fanden sie im Haus Bundesratsufer 4, ehe sie verraten, von der Gestapo deportiert und in Auschwitz ermordet wurden.
Vier Kopien des Briefs hatten die Freys bei Freunden versteckt. Eine überstand den Krieg, erreichte die Töchter, und ist uns erhalten.  

Ausgewählte Passagen dieses bewegenden Dokuments werden in Braille-Schrift von blinden Mitgliedern der „Arbeitsgruppe Weidt / Frey“ vorgetragen und von Musik gerahmt.  

In der Arbeitsgruppe „Weidt / Frey“ der Deutschen Hörfilm gGmbH haben sich zeitgeschichtlich interessierte blinde und sehbehinderte Menschen aus ganz Deutschland zusammen gefunden anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust 2021. Die Treffen finden als Telefonkonferenz statt. Ziel ist es, an die Schicksale blinder und sehbehinderter jüdischer Menschen in der NS-Zeit zu erinnern.  

Die Deutsche Hörfilm gGmbH macht Kunst und Kultur für blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei zugänglich. Im Zentrum steht die Arbeit für den Film (Kino, TV, Filmerbe), Bühne und Ausstellungen. 
Ein Projekt der Deutschen Hörfilm gGmbH in Zusammenarbeit mit dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt. 

Infos und Anmeldung per E-Mail: veranstaltungen@hoerfilm.de
www.hoerfilm.de 

Paloma Rändel
Öffentlichkeitsarbeit

Hände lesen über Brailleschrift, Makro