ABSV-Info 35/2019 - BVG setzt bei neuen Bussen auf altbewährtes, umweltfreundliches Verfahren und schafft Arbeitsplätze auch für blinde und sehbehinderte Menschen

Montag, 1. April 2019

Liebe Leserinnen und Leser, 

am vergangenen Mittwoch ging groß durch die Medien, dass die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Busflotte auf Elektroenergie umstellen, aber das ist keineswegs alles: Worum geht's? Lange hat es gedauert und wir waren schon in tiefer Sorge, dass wir die Elektrobusse nicht würden hören können. Nun ist der Durchbruch gelungen - allerdings hat er nichts mit Strom zu tun, eher mit dem Gegenteil! Strom gibt es zwar, wenn auch die Sorgen, er könne, wenn einst alle ein Elektrofahrzeug besitzen, nicht ausreichen, um all diese Fahrzeuge zu bestromen. Wichtiger ist aber, dass es weder in Europa noch darüber hinaus ausreichend Hersteller gibt, die die BVG mit aus unserer Sicht lautlosen und deshalb gefährlichen Elektrobussen würden beliefern können. Also: Wieder einmal Mangelwirtschaft! Für uns aber mit gutem Ausgang, besinnt sich doch das größte Nahverkehrsunternehmen des Landes alter Tugenden. 

Die wirklich Alten unter uns werden sich noch gut an die Zeit im zweiten Weltkrieg und danach erinnern, als es zwar noch einige LKW und Busse, kaum aber Treibstoff gab. Damals hat man - und heute kommt es wieder so - aus der Not eine Tugend gemacht und sog. Holzvergaser eingesetzt. Der Vorteil: Der Motor bleibt und damit auch sein Geräusch! Es muss lediglich hinten in Motornähe ein Heizkessel an das Fahrzeug angeflanscht werden. Für uns hat das gleich mehrere weitere Vorteile. Zum einen ist das Problem des notwendigen elektronisch oft anfälligen Türauffindesignals gelöst. Die BVG wird nämlich den Einstieg in die Busse von vorne in die Nähe der Heizkessel, in denen ständig Holz verbrannt wird, verlegen. Wir orientieren uns also nicht akustisch, sondern nutzen die olfaktorischen Eindrücke, die zudem den Vorteil haben, dass sie nicht verschwinden, weil die Umweltgeräusche zu laut sind. Zum anderen muss in dem Heizkessel, in dem das Holz verbrannt und so das notwendige Gas für den Motor erzeugt wird, stets mit einer Eisenstange gerührt werden, damit das Feuer und damit das brennbare Gas nicht ausgeht. Der Arbeitsraum ist überschaubar und damit für blinde und sehbehinderte Arbeitsuchende wie geschaffen, zumal selbst im Winter - falls nochmal einer kommt - an diesem Arbeitsplatz immer eine gewisse Grundwärme vorhanden sein wird. Das Beste für alle aber ist, dass mit diesen Fahrzeugen die geforderten Klimaziele problemlos erreicht werden. Stickoxide aus Dieselabgasen gibt es nicht mehr und die Verbrennung von Holz als nachwachsendem Rohstoff ist klimaneutral. Holz selbst steht nach den heftigen Stürmen der letzten Jahre europaweit für lange Zeit in ausreichender Menge zur Verfügung! 

Ein Prototyp des alt-neuen Busses wird in den nächsten Tagen ausgeliefert und steht - exklusiv für ABSV-Mitglieder - am 21.04. von 12:00 bis 16:00 Uhr auf dem Betriebshof der BVG in der Cicerostraße für eine Besichtigung zur Verfügung. Anmeldungen sind unbedingt erforderlich und schnellstmöglich an info[at]absv.de zu richten, weil die BVG aus Sicherheitsgründen Besucherausweise ausfertigen muss. 

Die gute Zusammenarbeit mit der BVG - "Weil wir Euch lieben!" - im Zusammenhang mit den sprechenden Bussen und Bahnen hat es zudem mit sich gebracht, dass wir für die blinden und sehbehinderten HHKR (Holzheizkesselrührer) ein gemeinsames Assessment-Center einrichten konnten. Deshalb richten Sie Ihre Bewerbung mit den üblichen Unterlagen bitte ausschließlich in barrierefreier Form ebenfalls an info[at]absv.de.

Hinweis zum Datenschutz: Mit der Abgabe Ihrer Bewerbung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten bis zum Abschluss des Auswahlverfahrens gespeichert werden.   

Mit freundlichen Grüßen 

Manfred Scharbach
Geschäftsführer

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