ABSV-Info 36/2021 - Berliner Ampeln bald mit Herz und Schnauze

Donnerstag, 1. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

der Umbau der Lichtsignalanlagen mit Zusatzeinrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen (kurz: Blindenampeln) geht in Berlin nach wie vor sehr schleppend voran. Wie immer fehlt das Geld. 

Doch dieses Problem will der Senat nun mit Public Private Partnership (PPP), einer Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen und privaten Anbietern, lösen. Dank dieser Partnerschaft sollen schon bald alle Ampeln sprechen können und die Ampelakustik verbessert werden. 

Zukünftig werden die Ampeln bei „Grün“ nicht einfach nur piepsen, sondern die Wartenden mit freundlicher Stimme einladen, die Straße zu überqueren – soweit das die Berliner Mundart zulässt. Das könnte sich dann so anhören: „Nu aba dalli, wenn Se übern Damm wolln!“ Für die Sprachaufnahmen sollen Berliner Busfahrerinnen und -fahrer angesprochen werden, die für ihre Herzlichkeit bekannt sind. Im Prenzlauer Berg würden die Ampeln mit Rücksicht auf dort vorherrschende Sprachgruppen angepasst werden und entsprechend sagen: „Jedzd könnet Sie übr die Schdros geha.“ 

Aber das Beste kommt noch: Die Ampel wird Ihnen während der Rot-Phase mit einem kurzen Werbespot verraten, wer sie finanziert hat. Angesprochen werden dafür Einzelhandelsunternehmen in Ampelnähe, wodurch sich ein klarer Zusatznutzen für die Passanten ergibt. Sie erfahren in der bislang ungenutzten Wartezeit die Standorte und tagesaktuellen Angebote ihrer Kiezläden. 

Der ABSV konnte in den Verhandlungen zu diesem Projekt noch einen weiteren Nutzen erreichen, den wir uns schon immer gewünscht haben: Durch einen doppelten Druck auf den Taster wird die Zeit für die Querung verlängert. Aber pssst, das soll bitte unser Geheimnis bleiben. 

Die ersten Ampeln sind bereits testweise mit der neuen Akustik ausgestattet. Bevor das Modell flächendeckend umgesetzt wird, suchen die Projektbetreiber blinde und sehbehinderte Testpersonen, um die Qualität der Sprachsynthese zu prüfen. Bitte melden Sie sich bei Interesse schnell per E-Mail unter info@absv.de  

Peter Woltersdorf

Hände lesen über Brailleschrift, Makro