„Wenn regelmäßig der Alarm angeht“ - Aktionen zum Sehbehindertentag in Berlin und Potsdam

Mittwoch, 23. Mai 2018

Mit spannenden Führungen und Workshops beteiligen sich mehrere Kultureinrichtungen gemeinsam mit dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V. (ABSV) am bundesweiten Sehbehindertentag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Sehbehindert im Museum“ steht.

Zu kleine und kontrastarme Beschriftungen sowie eine schwache Beleuchtung erschweren vielen Museumsbesuchern das Erfassen der Ausstellungsinhalte, ganz besonders jedoch denen mit einer Sehbehinderung.

„Wenn ich so nahe an die Kunstwerke herangehe, um die Schrift neben den Bildern erkennen zu können, geht regelmäßig der Alarm an“, ärgert sich Franz Rebele, der sich im ABSV um die speziellen Probleme sehbehinderter Menschen kümmert. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass die Schwierigkeiten derer, die noch ein bisschen, aber längst nicht mehr gut sehen können, häufig unterschätzt werden.

Die Situation blinder Menschen scheint eindeutiger zu sein, aber das macht es für die Betroffenen im Museum auch nicht leichter. Exponate beispielsweise, die sich Nichtsehende durch Ertasten erschließen könnten, dürfen üblicherweise nicht berührt werden oder befinden sich in Vitrinen.

Damit sehbehinderte und blinde Menschen gleichberechtigt mit anderen Museumsbesuchern an Kunst und Kultur teilhaben können, engagiert sich Franz Rebele gemeinsam mit einem Beraterteam des ABSV dafür, dass Kultureinrichtungen sensibler werden und sukzessive ihre Angebote so gestalten, dass diese auch für Besucherinnen und Besucher mit Seheinschränkung zugänglich werden.

Ein gutes Beispiel ist die Berlinische Galerie, die durch ein taktiles Orientierungs- und Leitsystem, einen gut bedienbaren Audioguide mit zusätzlichen Erläuterungen zu den Kunstwerken sowie durch zahlreiche Tastmodelle blinden und sehbehinderten Menschen einen eigenständigen und eindrücklichen Rundgang ermöglicht.

Zum Sehbehindertentag lädt die Berlinische Galerie zu einem dialogischen Rundgang zu ausgewählten Kunstwerken der 150 Jahre umfassenden Sammlung ein. Als Highlight können an dem Tag außerdem Original-Kunstwerke aus dem Depot, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind, ertastet werden.

Anlässlich des Sehbehindertentages am 6. Juni erhalten blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher freien Eintritt, unabhängig davon, ob sie an der Führung teilnehmen oder die Ausstellung selbstständig besuchen möchten.

Rundgang durch die Berlinische Galerie:

Die Veranstaltung in der Berlinischen Galerie beginnt am 6. Juni, 11:00 Uhr im Eberhard-Roters-Saal. Einleitend sprechen Birgitta Müller-Brandeck, Verwaltungsdirektorin der Berlinischen Galerie, und Joachim Günzel, Vorsitzender des ABSV. Der anschließende Rundgang erfolgt durch Christine Rieger, Kunstpädagogin und Mitglied im ABSV, Michaela Englert, Kunstvermittlerin, und Sabina Fernández-Weiß, Mitarbeiterin der Abteilung Restaurierung der Berlinischen Galerie.

Da die Zahl der Teilnehmenden begrenzt ist, wird um Anmeldung bis 30. Mai unter Angabe eines mögliches Unterstützungsbedarfs gebeten: Tel.: 030 789 02-832, E-Mail: bildung@berlinischegalerie.de

Weitere Aktionen:

6. Juni:
Führungen im Deutschen Technikmuseum Berlin:
-11:00 Uhr: für Kinder und Familien: Radios, Telefone, Fernseher mit anschließendem Workshop zum Morsealphabet (Premiere!)
-15:00 Uhr: für Erwachsene: Das Netz. Menschen, Daten, Kabelströme

6. Juni:, 15:00 Uhr:
Inklusive Führung im Naturkundemuseum Potsdam (Premiere!)

6. Juni, 17:00 Uhr:
BlindNature, inklusiver Naturspaziergang mit anschließendem Picknick

6. Juni, 18:00 Uhr:
Kino mit Audiodeskription über die Begegnung eines Kunstkritikers mit einem „blinden Maler“

7. Juni, 16:00 Uhr:
Führung durch die Ausstellung "Sparen. Geschichte einer deutschen Tugend" im Deutschen Historischen Museum

9. Juni, 14:00 Uhr:
„Wie ein Pferd mit Elefantenohren“, inklusive Tastführung im Georg Kolbe Museum

9. Juni, 16:00 Uhr:
Rundgang durch den Requisitenfundus und den Werkstattraum in der Komischen Oper Berlin

Mehr: www.absv.de/kulturveranstaltungen

Sehbehindert im Museum

Es gibt in ganz Deutschland zahlreiche gute Ansätze, Museen und Ausstellungen barrierefrei zu entwickeln. Aber von einem flächendeckenden Angebot kann nicht die Rede sein. Sehbehinderte Museumsbesucher wünschen sich eine gut strukturierte Internetseite, eine kontrastreiche und übersichtliche Gestaltung der Ausstellung sowie eine gute Beleuchtung.
Hinweise zur Schriftgestaltung: www.leserlich.info

Bundesweiter Sehbehindertentag

Laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband im Jahr 1998 einen eigenen Aktionstag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jedes Jahr am 6. Juni zu einem bestimmten Thema statt. www.sehbehindertentag.de

Pressekontakt:
Paloma Rändel, Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 030 895 88-123, Fax 030 895 88-99, E-Mail: paloma.raendel[at]absv.de
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV)
Auerbachstraße 7, 14193 Berlin
www.absv.de; twitter.com/ABSV_Berlin?lang=de