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Kontakt:
Paloma Rändel
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030 895 88-123
E-Mail: paloma.raendel[at]absv.de


Zuletzt geändert: 
15. Mai 2017 - 13:05

Aktuelle Pressemitteilung:

03.06.2020 Digitale Angebote – Chance oder Ausgrenzung?

 

Foto: Die technische Entwicklung macht`s möglich: Mit Hilfe einer Braillezeile können blinde Menschen Onlinetexte lesen und eigene Eingaben auf Richtigkeit prüfen. Copyright: DBSV/Lautenschläger

 

 

 

Durch das Kontaktverbot in der Corona-Pandemie sind Online-Angebote verstärkt in den Fokus gerückt. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht inzwischen auch über das Internet funktioniert: Lebensmittel bestellen, lernen und arbeiten, Konzerte hören, Fitnesskurse belegen. Doch blinde und sehbehinderte Menschen können leider nur einen Bruchteil dieser Angebote nutzen. Barrieren im Internet sind häufig unübersichtliche Strukturen, zu kleine Schriften, fehlende Kontraste, nicht ausfüllbare Dokumente, nicht lesbare Downloads, fehlende Alternativtexte bei Fotos und Grafiken und fehlende Audiodeskriptionen bei Filmen.

Anlässlich des Internationalen Sehbehindertentages am 6. Juni weist der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) darauf hin, dass in Bezug auf digitale Barrierefreiheit dringender Handlungsbedarf besteht. Dabei sind Internet, Computer und mobile Kommunikationsgeräte prinzipiell eine große Chance für alle. Vergrößerungssoftware, Vorleseprogramme und Braillezeilen gestatten blinden und sehbehinderten Menschen ein Surfen im Internet und das Arbeiten am Computer. Damit die technischen Hilfen greifen, müssen die Internetseiten bestimmten Anforderungen entsprechen. Dafür gibt es Standards, die in Gesetzen auf Bundes- und Landesebene festgeschrieben sind.

Auch in Berlin ist die Zugänglichkeit der Online-Angebote öffentlicher Stellen Gesetz. Spätestens ab 23. September 2020 müssen öffentliche Stellen eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf ihren Internetseiten veröffentlichen (auf mobilen Angeboten ein Jahr später), die beschreibt, ob das Angebot barrierefrei ist. Eine Garantie ist das noch lange nicht, aber ein Anlass, das Thema Barrierefreiheit verstärkt auf die Agenda zu setzen.

Dass noch viel zu tun ist, zeigen folgende Beispiele:

Beispiel 1: Terminbuchung bei Bürgerämtern
Freie und belegte Termine werden durch unterschiedliche Farben angezeigt. Wer keine Farben sieht oder eine Rot-Grün-Schwäche hat, muss bereits an dieser Stelle passen.
Siehe: service.berlin.de/terminvereinbarung

Beispiel 2: Kita-Suche und -Anmeldung
Sowohl die Suche nach einem Kitaplatz als auch die Beantragung eines Kita-Gutscheins sind nicht barrierefrei möglich. Auch das Verfahren, dass ein ausgefüllter Online-Antrag ausgedruckt und unterschrieben per Post versendet werden muss, ist umständlich und benachteiligt blinde Menschen.
Siehe: kita-navigator.berlin.de

Beispiel 3: Online lernen
Viele Unterlagen sind von blinden und sehbehinderten Lernenden und Lehrenden nicht nutzbar, insbesondere dann, wenn diese grafische Anleitungen enthalten.
Siehe: www.lernraum-berlin.de

Beispiel 4: Jobsuche
Blinde und sehbehinderte Jobsuchende werden regelmäßig benachteiligt, weil Teile der Ausschreibungen, auf die per Links verwiesen wird, nicht lesbar sind.
Siehe: www.berlin.de/karriereportal/stellen

Beispiel 5: Wohnungssuche
Bei den Angeboten der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften fehlt häufig die Angabe, ob ein Aufzug vorhanden ist – ein Punkt, der nicht nur Menschen mit einer Behinderung wichtig ist. Außerdem scheitern blinde und sehbehinderte Wohnungssuchende bei ihrer Online-Bewerbung spätestens dann, wenn nach einem Wohnberechtigungsschein (WBS) gefragt wird – die Angaben dazu können nicht barrierefrei eingetragen werden, nachdem schon der Antrag auf einen WBS nicht ausfüllbar war.
Siehe: inberlinwohnen.de/die-landeseigenen/

Der ABSV fordert, dass bei Online-Angeboten die Zugänglichkeit für alle stärker ins Bewusstsein gerückt wird und Gesetzesverstöße in Bezug auf Barrierefreiheit im Internet nicht als Kavaliersdelikt behandelt werden.

Was den Online-Handel betrifft, lässt das Europäische Barrierefreiheitsgesetz (European Accessibility Act – EAA) hoffen. Es wurde im vergangenen Jahr verabschiedet und muss nun in deutsches Recht überführt werden.

Pressekontakt:
Paloma Rändel, Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 030 895 88-123, Fax 030 895 88-99, E-Mail: paloma.raendel[at]absv.de
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV)
Auerbachstraße 7, 14193 Berlin
www.absv.de

Frau mit Brille liest Zeitung mit Sehhilfe